Wintersonnenwendfeier 1936 in Scharzfeld

So feierten unsere Vorfahren...

Wie überall in Deutschland, so wurde auch in dem kleinen Dörfchen Scharzfeld am Südharzrand seit jeher der alte Brauch der Wintersonnenwendfeier gepflegt. Wie eine solche Feierstunde ablaufen konnte, sei hier am Beispiel der Wintersonnenwendfeier im Jahre 1936 aufgezeigt.

Aus ursprünglich deutschem Brauchtum heraus beging man in der Nacht, in der das Licht die Dunkelheit überwindet, auf dem Steinberge symbolisch die Feier der Wintersonnenwende. Im Schweigemarsch zogen die verschiedenen Formationen einzeln hinter ihren Fahnen in endloser Reihe den Serpentinenweg des Steinbergs hinauf. Dorthin, wo einst schon vor Jahrtausenden unsere germanischen Ahnen sich versammelten, um bei dem ihnen heiligen Feuer den Schwur auf Tapferkeit, Ehre, Treue, Freiheit und Hingabe an Sippe und Volk zu leisten.

Dort, wo die Letzten in treuer Pflichterfüllung ihres germanischen Bewußtseins der Heimtücke fremdartiger Machtbegierde unterlagen (Anmerkung: Gemeint ist hier die Sage vom Sachsenführer Dilkhard, welcher zusammen mit einer großen Anzahl niedersächsischer Bauern, Frauen und Kinder in einer Sonnenwendnacht von einer fränkischen Streitmacht überfallen und erschlagen wurde), fand die Weihestunde statt und wurde der Schwur zum Glauben an das ewige Fortbestehen eines freien Deutschlands gegeben und das Gelöbnis der Treue bekundet.

Nachdem die einzelnen Formationen sich in der Aufstellung um den Reisighaufen des Sonnenwendfeuers gruppiert hatten, schmetterte eine Gruppe Fanfarenbläser den Ruf zum Beginn der Weihestunde hoch oben vom Berge über das Land. Weit über das Tal hinweg verlor sich der Schall der Trompeten in dunkler Ferne.

Wo immer die Fahne steht,
stehen auch wir,
kämpfen durch Nacht und Not,
und streben, als Volk,
gläubig empor
zu unsterblichem Licht.


Inzwischen ging ein Fackelträger zu den im Halbkreis auf den Felskuppen aufgestellten und mit je einer Fackel ausgerüsteten Jungen und brachte ihnen das Feuer zur Entfachung ihrer Fackeln. Von einem Flammenkranz umgeben war alles, was sich hier zur nächtlichen Weihestunde eingefunden hatte. Mit einer Fackel wurde dann das Sonnenwendfeuer angezündet. Unter dem Liede "Flamme empor" loderte die Feuersäule hoch gegen den nächtlichen Himmel. Es schien, als wenn das verzehrende Feuer im Rhytmus des Liedes brannte, denn außerordentlich hell leuchteten jedesmal die Flammen, wenn ein bekäftigter Ausspruch im Liede erfolgte.

Der Bürgermeister aus Bad Lauterberg hielt die Feuerrede und sprach ausführliche Bekenntnisworte zur Sonnenwendfeier, vom Glauben an den Allmächtigen, von schöpferischer Kraft, lebendiger Liebe, vom Dasein als herrlicher Offenbarung, vom Schaffensgeist und Treue zu Volk und Vaterland. Die Glutflamme des Feuers spiegelte sich im Antlitz der Zuhörer wider und ließ das trotzige Felsmassiv das Steinberges, dem germanischer Gedankengeist Leben eingeknetet, in seiner sonderlichen Gestaltung durch all die germanischen Kultmale und Weihe-Zeichen, in allen Einzelheiten erkennen. Zum Gedenken der Ahnen und Toten, die im Kampf um Freiheit und Ehre ihr Leben gelassen, übergab man dem Feuer einen Kranz. Umrahmt wurde die Feier durch Singen alter Volkslieder. Am Schluß der Feier brannten im Inneren der germanischen Weihestätte des Steinberges bengalische Feuer. 

Flamme empor

Flamme empor, Flamme empor!
Steige mit loderndem Scheine
von den Gebirgen am Rheine
glühend empor, glühend empor!

Siehe wir steh`n, siehe wir steh`n
treu im geweihten Kreise
dich zu des Vaterlands Preise
brennen zu seh`n, brennen zu seh`n

Heilige Glut, heilige Glut!
Rufe die Jugend zusammen,
daß bei den lodernden Flammen
wachse der Mut, wachse der Mut

Auf allen Höh`n, auf allen Höh`n
leuchte du flammendes Zeichen,
daß alle Feinde erbleichen,
wenn sie dich seh`n, wenn sie dich seh`n!

Leuchtender Schein, leuchtender Schein,
siehe, wir singenden Paare
schwören am Flammenaltare
Deutsche zu sein, Deutsche zu sein!

Höre das Wort, höre das Wort!
Vater, auf Leben und Sterben,
hilf uns die Freiheit erwerben!
Sei unser Hort, sei unser Hort

Joh. H. Chr. Nonne 1814




Entnommen, mit freundlicher Genehmigung, aus der Zeitschrift „Der Freiwillige"
Weltanschauung
21.12.2003