Das Questenfest


In dem kleinen Ort Questenberg am Südrand des Harzes findest jedes Jahr zu Hohe Maien (Pfingsten) auf dem Questenberg, der sich im Westen 85 Meter über dem Ort erhebt, das Questenfest statt. Dort steht ein großer entästeter Eichenbaum, auf dem ein Kranz von drei Metern Durchmesser hängt. An beiden Seiten und der Spitze befindet sich je ein Büschel, eine Quaste.

QuestenbaumDer Questenmannschaft können nur Männer angehören - ein Hinweis auf das Alter dieses Brauches, wurden doch bei unseren germanischen Vorfahren meist die kultischen Handlungen nur von Männern durchgeführt. Erhalten geblieben ist diese Tradition noch in einigen Tänzen, die auf kultischen Ursprung zurückgehen (z.B. Schwert- und Reiftänze, Siebensprünge u.a.) und alten Bräuchen, z.B. der schwäbisch- alemannischen Fasnet.

Die Jugend der Questenmannschaft holt am Sonnabend aus dem Wald die "Setzmaie" (= Maibaum; eine Birke, aber ohne Kranz und Bänder, die nur bis Dienstag stehen bleibt) und Birken für die "Lauerhütte", eine Umgrenzung des Platzes um die Setzmaie. Hier wurde früher getanzt, ebenso wie am Abend vor dem eigentlichen Questenfest (heute als Disco) und um die Queste. Die jungen Burschen setzen auch ihrem Mädchen eine "Maie" vor das Haus - hier in der Gegend ganze Birkenbäume. Unbeliebte Mädchen bekommen einen Dornenstrauch (z.T. große Heckenrosenbüsche, die auf den Feldrainen im Weg sind) - ein Brauch, der auch in anderen Gegenden Deutschlands noch lebendig ist.

Der Stamm der Queste wurde in früheren Zeiten jedes Jahr erneuert. Da aber auf Dauer nicht genug kräftige Eichen zur Verfügung stehen, wird er nur dann ersetzt, wenn der alte morsch wird. Heute setzt jeder Angehörige der Questenmannschaft einmal in seinem Leben einen Eichbaum, um für die Zukunft vorzusorgen. Es wird ein etwa 10 Meter hoher Baum ausgesucht, der an der Spitze drei Astgabeln haben soll (Lebensbaum-Sinnbild!). Zwei Wochen vor Hohe Maien wird er gefällt, traditionsgemäß zur Queste getragen und dort entrindet.

Zu "Himmelfahrt" (10 Tage vor Hohe Maien) werden die vier - heute zwei - "Stebbel" gehauen - Buchenstangen, die zum Abnehmen des alten und Aufhängen des frischen Kranzes verwendet werden. Auch dieses "Strebbelhauen" ist eine feierliche Handlung mit Musik. Es war auch genau festgelegt, wer die erste, zweite und dritte Stange trug. Da man heute als einziges technisches Hilfsmittel Seil und Rolle verwendet, ist das Strebbelhauen nur nocheine Symbolische Handlung.

Eine Woche vor Hohe Maien werden dünne, längere Ruten geschlagen und in den Bach gelegt, damit sie geschmeidig bleiben. Aus ihnen werden die "Weden" hergestellt, mit denen die grünen Zweige am Kranz festgebunden werden.

Am Sonntag von Hohe Maien zieht die Questenmannschaft wieder hinaus, um frisches Birken- und Buchengrün für den Kranz zu schlagen. Auch am Questenberg wird eine Laube errichtet, in der nach getaner Arbeit gegessen und getrunken wird und in der am Montag die Blasmusik Platz nimmt.

Am Pfingstmontag, früh um 3:30 Uhr, bläst ein Trompeter zum Wecken. Obwohl der Ort auch heute nur etwa 180 Einwohner hat, steht in der Ortsmitte unter der Dorflinde ein Roland, ein altes Rechtssinnbild, das wir sonst nur in wichtigen Städten finden. An ihm findet das Wecken statt. Dann zieht die Blaskapelle, die Questenmannschaft und dahinter alle Teilnehmer um 4:00 Uhr unter den Klängen von "Freut euch des Lebens" auf die Bergkuppe. Alle Musikstücke und Lieder des Festes sind genau festgelegt.

Im Morgengrauen wird der alte Kranz abgenommen und der "Lebensbuschen" der Spitze verbrannt. Die Männer der Questenmannschaft treten in den abgelegten Kranz, es wird eine Ansprache gehalten, die mit den Worten beginnt: "Sonne ist Licht, Sonne ist Leben. Das ist wohl schon von alters her der Leitgedanke unseres Questenfestes..."

Es wird darauf hingewiesen, daß unsere Vorfahren auf diese alte Wallburg zogen, um die Sonne zu begrüßen und zu verehren. Nach dem langen Winter mit seiner Dunkelheit freute man sich auf die wärmende und lebensspendende Sonne. Es gilt, das durch die Kraft der Sonne und den Fleiß der Menschen Entstandene zu beschützen. Wie in all unseren artgemäßen Festen wird auch hier unter den Klängen von Beethovens "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" der Toten gedacht. Danach erfolgt das Nachtmahl: Sauerkraut mit einem speziellen Kuchenbrot.

Der Sonnenaufgang gegen 5:00 Uhr ist ein großartiges Erlebnis. Unter den Klängen eines Chorals nehmen die Männer ihre Kopfbedeckung ab und grüßen die Sonne in Ergriffenheit. Im weiteren Verlauf des Vormittags gibt es im Ort noch einen Frühschoppen und einen Festgottesdienst - nimmt doch die Kirche überall, wo noch alte Feste gefeiert werden, die aus heidnischer Zeit stammen und unserem Artempfinden entsprechen, diese Feste für sich in Anspruch.

Mittags werden im Gemeindeamt die Fahnen abgeholt, die mit Sonnen- und Lebenssymbolen geschmückt sind. Mit ihnen geht es wieder auf den Berg, wo in den von der Queste abgenommenen Kranz das frische Grün gesteckt wird. Zum Befestigen werden auch heute noch nur die "Weden" verwendet. Auch die Büschel werden frisch gebunden. Diese Arbeit dauert Stunden.

Am Nachmittag ist es endlich soweit: Zuerst wir der Lebensbuschen an der Spitze befestigt, dann der Kranz mit einem Seil hochgezogen, wobei die Stebbel zum Ausbalancieren verwendet werden. Die Kapelle spielt dazu das bekannte Lied "Freiheit, die ich meine", das mitgesungen wird. Auch der Kranz und die Buschen werden mit Weden befestigt. Kinder haben inzwischen kleine Questen gebastelt.

Nun geht es wieder zurück in den Ort. Die Kapelle spielt "Ich bete an die Macht der Liebe". Danach erfolgt die letzte Meldung an den Hauptmann der Questenmannschaft, daß der Kranz geschmückt ist. Wie bei vielem alten Brauchtum wird auch hier das Questenfest auf eine Begebenheit aus dem Mittelalter zurückgeführt, obwohl es als Sonnenverehrung sicher sehr viel älter ist.

Nach einer Sage hatte sich Jutta, die einzige Tochter des Burgherren von Questenberg, beim Blumenpflücken im Wald verirrt und wurde am Pfingstmontag wohlbehalten auf einer Wiese nahe der Nachbargemeinde Rotha aufgefunden. Sie hatte einen Kranz mit zwei Questen gebastelt. Die Gemeinde Rotha bekam diese Wiese geschenkt, muß aber seitdem jedes Jahr zu Hohe Maien ein Brot und vier Käse vor Sonnenaufgang nach Questenberg bringen. Sollte dies nicht rechtzeitig geschehen, haben die Questenberger das Recht, das beste Rind aus Rotha zu holen und zu schlachten. Dann findet am Sonntag nach Hohe Maien das Ochsenfest statt.

Sonnenwendfeiern gibt es in Questenberg keine. "Wir haben doch unser Questenfest!" lautete die Antwort auf die diesbezügliche Frage. So ist jedem klar, daß die Queste mit ihrem Eichenstamm und dem Kranz als Radkreuz ein Lebens- und Sonnenbild ist. Herman Wirth hat sein Lied "Lichtkreuzweihe", daß wir heute eher zu Weihnachten singen, nach seinem Besuch bei der Queste geschrieben: "Berghoch am Walde ragt von der Halde morgenwärts schauend des Lebens Baum..."

Der Volkskundler Ernst Kiehl vergleicht in seinem Buch "Das Questenfest, Gegenwart und Vergangenheit", die Queste mit der Irminsul und schreibt über Bonifatius, daß er eine heilige Eiche bei Geismar fällte. "Nach Questenberg ist er wohl nicht gekommen. Hier steht noch heute eine heilige Eiche."

Auch wenn der Pfarrer im Festgottesdienst einen Zusammenhang zwischen der Verehrung der Sonne auf dem Questenberg und Jesus Christus als "Sonne der Christenheit" konstruiert, spricht Kiehl von der germanischen Verbindung der Sonne und ihren Sinnbildern, besonders dem Radkreuz (früher war auf der Questenfahne eine Svastika gestickt) mit dem Lebensbaum Irminsul und dem heiligen Ort (früher wohl heiliger Hain, später Wallburg) und geht auf diese Thematik ausführlich ein.

Auch heute noch finden wir auf den Fahnen in den Grundfarben (= Leben) und blau Sonnenbilder. Er stellt sowohl die Queste als auch die Fahnen mit ihrer Symbolik in den Jahreslauf. Es ist erfreulich, daß das Questenfest nicht nur die Christianisierung überstanden hat, sondern bis heute lebendig geblieben ist, auch wenn sich der Geist der Zeiten etwas auswirkte.

Im Dritten Reich wurde bei Sonnenaufgang nach dem Choral das Horst-Wessel-Lied gesungen, in der "DDR" ein Lied von Johannes R. Becher ("Deutsche Heimat, sei gepriesen, du, im Leuchten ferner Höh`n..."), das allerdings nach dem Mauerbau 1961 ebenfalls in Ungnade fiel. Heute ist man bestrebt, das Fest in regionalem Rahmen zu halten, junge Leute aus Auswärts mußten die Erfahrung eines Platzverweises machen.

Abgesehen davon, daß die Räumlichkeiten im Ort für einen Massenansturm, wie etwa beim Osterräderrollen in Lügde, nicht ausreichen würden, hofft man wohl, mit solch drastischen Maßnahmen das Fest vor dem Verbot zu retten, schwebt doch heute über allen Veranstaltungen, die dem alles gleichmachenden Multi-Kulti- Zeitgeist entgegenstehen, die Gefahr, als "Wallfahrtsstätte für Rechtsextremisten" untersagt zu werden.

Das Questenfest, in dem der uralte Sinn noch deutlich zu erkennen ist und nicht geleugnet wird, wird auch dieses Zeitproblem überdauern und weiterhin vom Sieg der Sonne über die Mächte der Dunkelheit künden.

Europa-Erbe
NPD Göttingen - Weltanschauung
27.04.2005