kaltblütiger dreifacher Frauenmord in Telgte

Münster/Telgte - Dreieinhalb Wochen nach dem dreifachen Frauenmord im nordrhein-westfälischen Telgte haben Fahnder die Tat vollständig aufgeklärt. Ein in der Nacht zum Sonntag festgenommener, geständiger 21-Jähriger gab an, die Morde für den Ehemann eines der Opfer verübt zu haben. Drei 21, 24 und 30 Jahre alte türkische Männer wurden nach in Untersuchungshaft genommen, ihnen wird dreifacher gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen.

Morde seit Monaten geplant

Geplant hatte der 30 Jahre alte Ehemann des jüngsten Opfers die Bluttat an den drei Putzfrauen gemeinsam mit einem 24-jährigen Freund bereits seit Monaten. Der 21-jährige Komplize führte das Verbrechen in der Nacht zum 29. Januar nach der Putzschicht der 30, 34 und 39 Jahre alten Frauen auf dem Parkplatz vor dem Fitness-Studio in Telgte aus.

"Freundschaftsdienst"

In seinem Geständnis bezeichnete der mutmaßliche Todesschütze den Mord als "Freundschaftsdienst" für den Ehemann der 30-jährigen Türkin. Er war in der Nacht zum Sonntag von einem Spezialkommando in seinem Elternhaus in Telgte festgenommen worden. Im Keller des Hauses fand die Polizei die mögliche Tatwaffe - eine Pistole vom Kaliber neun Millimeter - unter einem alten Kinderbett. Die Untersuchung der Waffe allerdings steht noch aus. Der 30-jährige Ehemann sowie ein 24 Jahre alter Komplize hatten bereits am Donnerstag und Freitag Teilgeständnisse abgelegt und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

"Von rechts nach links" erschossen

Wie die Ermittler weiter mitteilten, zeigte der Todesschütze in seinen Vernehmungen keinerlei Gefühle. Nach eigenen Angaben erschoss er die ihm persönlich unbekannten Frauen "von rechts nach links" per Kopfschuss. Er hatte ihnen nach deren Putzschicht aufgelauert und sie mit vorgehaltener Waffe und maskiert mit einer Sturmhaube auf den hinteren Teil des Parkplatzes am Fitness-Studio dirigiert. Die Opfer seien zunächst von einem Raub ausgegangen und hätten betont, kein Geld zu haben. "Tut mir leid" will der 21-Jährige daraufhin gesagt und sofort gefeuert haben.

"Es ist erledigt. Gut, das war’s."

Jede Frau traf ein einzelner Schuss in den Kopf tödlich. Schon einen Tag vor der Mordnacht habe er die Tat eigentlich begehen wollen, gab der Mann an. Er war zu Fuß zum Tatort gekommen und habe gewartet, habe sich durch die "Umstände im Umfeld des Fitness-Studios irgendwie gestört gefühlt". Nach dem Mord habe er dem Auftraggeber und Witwer in dessen Haus einen Kondolenzbesuch abgestattet, wobei in dieser beiseite genommen und gesagt habe: "Es ist erledigt. Gut, das war’s."

"Unfassbare Kaltblütigkeit"

Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer sprach von einer unfassbaren Kaltblütigkeit bei allen drei Tatverdächtigen. Von Anfang an sei auch die Tötung der beiden deutschen Kolleginnen geplant gewesen, um die Hintergründe zu verschleiern. Das Motiv für die Tat liege in der Ehe des türkischen Paares begründet. Die Heirat sei durch Absprache in den Familien, nicht durch die Liebe der beiden zu Stande gekommen.

Ehefrau war kriminellen Geschäften im Weg

Der mutmaßliche Mörder habe sich zudem mit seinem Freund vorgenommen, in kriminelle Geschäfte wie Prostitution und Autoschieberei einzusteigen. Dabei war die solide, eng im muslimisch geprägten Familiengeflecht verwurzelte Ehefrau im Wege. Außerdem hatte der Mann seit längerer Zeit eine Liebesziehung zu einer 22-jährigen Polin unterhalten, für die er in Telgte unter falschem Namen eine Wohnung angemietet hatte. 

"Das Motiv war bei einer der Frauen zu suchen"

Die drei Männer waren schon früh bei den Ermittlungen zu den Opfern vernommen worden. Als sich der 24-Jährige zunehmend in Widersprüche verstrickte, kamen die Ermittler dem Trio auf die Spur. "Wir wussten von Anfang an, dass das Motiv bei einer der drei Frauen zu suchen sein musste", sagt der Chef der Mordkommission, Werner Brökers. Die Familie der Türkin - Mutter einer dreijährigen Tochter und im zweiten Monat von ihrem Ehemann schwanger - kam am ehesten in Frage.

"Mord war nur am Arbeitplatz möglich"

Das spätere Opfer sprach kaum deutsch, ging nur in Begleitung von Verwandten aus dem Haus. Wollte man die 30-Jährige erschießen, war das nur am Arbeitsplatz möglich, folgerten Brökers und seine 35 Kollegen von der Mordkommission. 36 Fahnder der Mordkommission hatten drei Wochen lang ermittelt, 379 Spuren untersucht und 1.000 Personen vernommen, um die Täter zu überführen.

(sa/dpa)
01.03.2003