Steh auf, wenn Du ein Bauer bist !

(Beitrag eines deutschen Bauern)

So sangen sie im Juli 03 in Freiburg. Wer sich zu den Bauern zählt sollte also aufstehen.

Das kann vieles bedeuten.

Eine Bedeutung ist wohl, dass wir Bauern endlich aufhören sollen, den Kopf hängen zu lassen. Wir sollten den Kopf heben, sei es aus Stolz, Bauer zu sein, sei es um über den Tellerrand zu schauen, sei es um den Zwängen zu trotzen, sei es, um uns der gesellschaftlichen, politischen oder medialen
Prügel zu wehren.

Aufstehen der Bauern – Bauernaufstand !

Solcher gab es viele in der Geschichte Europas. Stets richteten sie sich gegen die Obrigkeit, wenn die dem Bauernvolk aufgebürdeten Lasten zu schwer wurden. Bauern ertragen viel Last und Schimpf, aber nicht alles!

So zeigen die geschichtlich belegten Bauernaufstände stets, dass die Bauern ein duldsames, treudienendes Volk sind, aber nicht bis in den Tod. Drohten die Lasten und Zwänge die Bauern und deren Familien und Betriebe zu zerstören, fand die Geduld der Bauern oft ein jähes, heftiges Ende.

Viele Aufstände der Bauern gab es in Europas Ländern, so z.B. 1358 in Frankreich, weil ihnen die dort erhobenen Steuern zur Kriegsführung gegen England zu schwer wurden. Oder 1381 in England als auch dort Kriegssteuern die Bauern auf die Barrikaden brachten. 1525 der größte Bauernaufstand, der sich über Deutschland, Österreich und die Schweiz bis in angrenzende
Länder erstreckte , der im Verlauf der Reformation stattfand (Thesen des Martin Luthers) und seine Ursache in der Armut und Knechtschaft der Bauern unter den Landesfürsten und der Kirche hatte. Dann auch 1596 in der Grafschaft Haag in Bayern (Steuerlast), 1737 in Kärnten (Jesuiten
&Steuern) oder 1790 in Sachsen (Armut, Glaube, Feudalismus).

Jedes Mal gelang es den Bauern, zumindest eine kleine Verbesserung ihrer Situation zu erkämpfen. Aber bis die Bauern aufstehen, dauert es. Es dauert lange. Erst wenn Steuern & Willkür der Regierenden zu schwer lasten, erhebt sich der Bauer.

Lange waren sie ruhig, die Bauern in Europa. Wieder ertragen sie unverhältnismäßig hohe Lasten und Willkür. Aber es beginnt zu rumoren. Wer hinhört wird hören, dass das gewohnte Jammern zu versiegen beginnt, dass ein zorniges Grummeln entsteht.

Wir Bauern sind wenige geworden, die für die Staaten und Politik nicht mehr viel von Bedeutung sein zu scheinen. Wir scheinen nur noch den Zweck des Sündenbocks, eines Melkesel, einer Schlachtsau zu erfüllen, der dazu dient, den Politikern die Wähler und den Medien die Leser, Zuhörer, Zuschauer zuzutreiben.

Wir werden sehen, ob sich die Geschichte wiederholt oder ob die Regierenden aus der Geschichte gelernt haben.

Aber eines ist sicher:

Nicht das Volk ist gegen uns, das ist sogar näher an unserer Seite als viele wahrnehmen. Der Feind der Bauern ist heute eine stetige Vergiftung der Moral und Ethik der Möchte-Gern-Oberen- Gesellschaft, die Leidenschaft, die öffentliche Meinung zum Spielball eigener und nicht
gesamtgesellschaftlicher Interessen zu machen.

Wehe, wenn dann der Ruf lauter wird: Steh auf wenn du ein Bauer bist!

Es werden nicht nur die Bauern aufstehen!

von einem deutschen Bauern
 03.11.2003